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Ibogaine

Erschienen in: Hanfblatt , August 1996
Interview mit Karl Naeher

In den letzten Jahren macht eine Droge von sich reden , von der behauptet wird, daß sie, einmalig in hoher Dosis von Opiatabhängigen eingenommen, Entzugserschieunungen drastisch reduziert und gleichzeitig einen Trip bewirkt, der den Betroffenen so tiefe Einsichten in die persönlichen Ursachen der Sucht offenbart, daß ein Großteil der derart Therapierten über Monate hinweg ohne Rückfall leben kann. Es wird allerdings eingeräumt, daß noch mehrere zusätzliche Sitzungen erforderlich werden können, bevor eine anhaltende Stabilisierung eintritt.
Es handelt sich um Ibogaine, den Hauptwirkstoff aus der Wurzelrinde des im tropischen äquatorialen Westafrika gepflanztem Iboga-Strauches (Tabernanthe Iboga). In dieser Region wird Iboga in kleinen Mengen auch als Stimulantium genossen. Große Mengen Iboga werden in Gabun zur Initiation in bestimmte religiöse Kulte, wie den Bwiti-Kult, eingenommen, um tiefe transformative, rituell strukturierte Erfahrungen zu erleben.
Verschiedene Einzelpersonen habe sich, geprägt durch persönliche Erfahrungen mit der Reinsubstanz Ibogain, für deren therapeutischen Einsatz stark gemacht. Am bekanntesten ist Howar Lotsof, Gründer der INTERNATIONAL COALITION FOR ADDICT SELF HELP (ICASH).
Iboga und Ibogaine sind in den USA seit 1970 streng verboten, unterstehen hierzulande aber nicht dem Betäubungsmittelgesetz.
Ein weiterer Avantgardist in Sachen Ibogain ist Eric Taub aus Florida, dessen Interesse sich auch auf die psychotherapeutischen, introspektiounsfördernden und spirituellen Qualitäten der Ibogaineerfahrung erstreckt. Um Näheres zu erfahren, befragte HANFBLATT dessen europäischen Partner Karl Naeher.

HB: Erstmal vielen Dank im Vorraus, daß du dich bereiterklärt hast, uns zu diesem interessanten Thema einige Fragen zu beantworten. Ich falle gleich mal mit der Tür ins Haus. Wie ist dein Interesse an Ibogain erwacht?

Karl: Mein Interesse an Ibgaine wurde von Eric Taub erweckt, einem alten Freund, mit dem ich sechs Jahre lang in Gainesville, Florida, zusammen lebte. Bereits bevor ich vor drei Jahren wieder nach Europa kam, bat ermich mit ihm zusammenzuarbeiten, um die hier und in Afrika anfallende Arbeit zu übernehmen. Kurz nachdem ich mich nach Europa begeben hatte, erlebte ich durch Eric meine erste Ibogain-Sitzung. Zwei Jahre später gaben Eric und ich uns nochmals gegenseitig jeweils eine Sitzung.

HB:Wie hast du deine erste Ibogainerfahrung erlebt und was hat dich motiviert, diese Erfahrung zu wiederholen?

Karl: Das läßt sich schlecht in Kürze wiedergeben. Während der ersxten zwei Stunden Fluten von Licht und Spiralen, die sich mit einem summenden Ton drehten, der sich wie ein "Urton" anhörte; dann ien kurzes Erlebnis, bei dem ich mir wie in eine andere Sphäre versetzt vorkam, von der ich auf mein Leben herabbickte, um so besser sehen zu können, was meine "Seele" für ihre Verwirklichung benötigt.
Darraufhin einige Gesichter und dann Erinnerungen ovn vielen Schlüsselerlebnissen und oft scherzhafte or weise Lösungen zu meinen derzeitigen Problemen. Die euphorische Stimmung hielt noch ca. 3 Tage an, bis ich dann zurückfliegen mußte.
Während der zweiten Sitzung wollte ich mich von tiefverwurztelten Ängsten befreien und auch ein Experiment machen , um das Übelkeitsgefühl während der Sitzungen in den Griff zu bekommen, was beides zumindest teilweise erfolgreich war.

HB: Ist die Ibogaine-Erfahrung so einzigartig, daß sie einem breiteren Spektrum an Interessierten zugänglich sein sollte?

Karl: Natürlich ist die ERfahrung von vielerlei Aspekten her interessant. Doch muß ich betonen, daß jeder etwas anderes erlebt und auch, daß die Droge nicht immer den Erwartungen gerecht wird. VGiele haben nur wenige visuelle Erfahrungen. Manche haben Proble mit Erbrechen. Manche sind nach zwölf Stunden wieder fit, andere benöniten dafür sechsundreißig Stunden... Doch meiner Ansicht nach hilft diese Droge immer, sich selber ( und sein Unterbewußsein)besser kennenzulernen.

HB:Soweit ich weiß, gibt es nur eine ganz kleine Zahl von Therapeuten, die anderen Menschen Sitzungen mit Ibogaine ermöglichen.

Karl:Ich kenne nur drei Therapeuten persönlich, die in Europa mit Ibogain arbeiten.

HB: Wie wird die Droge verabreicht?

Karl:Während man in Afrika die Rinde der Iboga-Wurzel kaut, verwendet man bei uns das reine Alkaloid Ibogain.Dieses kann genauer dosiert werden. Außerdem ist man nicht gezwungen, noch andere womöglich schädliche Alkaloide mitzuschlucken.

HB: Von welchen Dosierungen geht ihr aus?

Karl: Für psychologische Problembearbeitungen sechs bis 10 Milligramm natürliches Ibogain, für den Drogenentzug 12 bis 23 Milligramm, jeweils pro Kilogramm Körpergewicht.

HB: Da stellt sich die Frage nach den Kontraindikationen.

Karl: Auf keinen Fall sollten Menschen mit Herzfehlern, vor allem Herzklappenfehlern, Leber-Erkrankte oder psychotische Patienten Ibogain nehmen.

HB: Wurden Auswirkungen von Ibogain auf die körperliche Gesundheit festgestellt?

Karl: Bei Tierversuchen stellte sich heraus, daß exzessive Mengen (mehr als die fünffache Menge einer therapeutischen Dose) gewisse Veränderungen in der Leber, dem Herz und der Niere verursachten, allerdings nach wochenlanger Applikation. Diese Organveränderungen blieben bei Affen jedoch aus. Aber natürlich sollte noch mehr über Ibogain geforscht werden, und zwar in allen Bereichen.
Unter den mehr als 700 bekannten Fällen, die hochdosiertes ibogain in den USA und in Europa einnahmen, gab es zwei heroinabhängige Frauen, die während einer Ibogaine-Sitzung zur Unterbrechung ihrer Drogenabhängigkeit starben. Es handelt sich um eine junge deutsche Frau, die sich wahrscheinlich während der Ibogaine-Sitzung Heroin spritzte und daher an einer Overdose starb; und um eine schweizerische Frau, die Ibogaine während einer Psychotherapiesitzung einnahm, obwohl sie an einer schweren Herzkrankheit litt.

HB: Kann man Ibogain sozusagen selbsttherapeutisch alleine einnehmen?

Karl: Unter keinen Umständen würde ich es jemandem empfehlen, Ibogain alleine zu nehmen. Man befindet sich auf Ibogain, vor allem während der ersten vier bis zehn Stunden, in einem mehr oder weniger hilflosen Zustand mit Störungen der Bewegungskoordination, Schwindel bei jeder Bewegung udn vereinnahmt von intensiven psychischen Zuständen, in dem man auf Beistand angewiesen ist.

HB: Es gibt einige CannabiskonsumentInnen, die mit ihrem Konsum Probleme im Sinne einer "Psychischen Abhängigkeit" haben. Das Kiffen behindert sie darin, die Fähigkeiten zu entfalten, die für eine selbständige Lebensgestaltung erforderlich wären. Kann eine Ibogain-Sitzung die Gewohnheit des Dauerkiffens aufbrechen?

Karl: Ibgoain unterbricht die physiche Abhängigkeit zu Drogen wie den Opiaten in mehr als 90 Prozent der Fälle. Doch die psychische Abhängigkeit ist delikater zu behandeln. Es kommt auf Ibogain zu Einsichten, die dazu verhelfen, sich auch psychisch von der Droge zu distanzieren. Doch ohne einen gewissen Willen, eine neue Seite in seinem Leben anzufangen, läßt sich das "Craving" nicht wirkungsvoll ausschalten.

HB: Ist die Ibogainerfahrung mit irgendetwas vergleichbar?

Karl: Ich habe nicht genügend Drogen genommen, um Ibogain mit anderen Erfahrungen zu vergleichen. einige visuelle Erlebnisse sind dem LSD ähnlich, obwohl die Visionen kürzer sind und immer willkürlich unterbrochen werden können. Ich kenne keine andere Drogen, mit der Bilder und Visionen mit oft photografischer Scharfheit wie in einem Traum, jedoch bewußt wahrgenommen werden. Kurios ist auch die Tatsache, daß viele während dieser "Wach-Träume" sich zeitweilig in eine afrikanische Umgebung versetzt fühlen, in der sie dann auch schwarze Menschen wahrnehmen.
Das euphorische Empfinden, das am Ende aufkommen kann, ist vielleicht einer milden MDMA Erfahrung gleichzusetzen.

HB: Was hat es mit den beschriebenen Nahtodeserfahrungen auf sich?

Karl: Ich selbst habe noch keine Nahtodeserfahrung auf Ibogain erlebt. Doch während einer meiner ersten Sitzungen, die ich überwachte, erlebte der Klient , wie sein Körper sich zersetzte und von ihm abfiel, um sich dann anschließend "wie neugeboren" zu fühlen. Bei den hohen Dosen, die die Bwitis in Afrika einnehmen, ist es wohl wahrscheinlicher, daß so etwas auftreten kann.

HB: Zurück nach Afrika. Warst du selbst dort, um Iboga kennenzulernen?

Karl: Ich war sechs mal in Kamerun, wo ich mit einigen Heilern sprach, die mit Iboga arbeiten, wo ich den Standort der Pflanze kennenlernet, die sozialen Implikationen...

HB: Mir drängt sich die Frage nach dem Mißbrauchpotential auf. Kann Ibogain zum Beispiel in niedrigen Dosierungen als Stimulatium genommen werden?

Karl: Ibgaine wurde tatsächlich von Sportlern in kleinen Dosen zum "Doping" verwendet, bis es Ende der Sechziger Jahre von der Welt-Gesundheits-Behörde auf den Index kam und verboten wurde. Das Medikament "Lambarene" enthielt eine kleine Dose Ibogaine und wurde in Frankreich als Rekonvaleszenzmittel in Umgang gebracht, bis es 1967 verboten wurde. Es wurde auch als eines der ersten Antidepressiva eingesetzt. Soweit mir bekannt ist, kam es weder während der kurzen Zeit, in der Ibogain in Europa angewendet wurde, noch in Afrika, wo es seit Jahrhunderten genommen wird, zu irgendeiner Form der Abhängigkeit.

HB: Gibt es sowas wie einen "Underground" - Gebrauch der Droge?

Karl: Ibogaine ist keine Freizeit-Droge. Schon die Tatsache, daß der Effekt bis zu sechsundreißig Stunden dauern kann, wirkt einem regelmäßigen Mißbrauch entgegen. Außerdem erfordert es Gedult und Ausdauer, da Ibogaine psychisch und physisch anstrengend sein kann. Der euphorische Effekt stellt sich meist erst anschließend an den "Trip" an, wenn überhaupt.

HB: Manchmal wird Iboga oder Ibogain auch als Aphrodisiakum angepriesen. Was ist davon zu halten?

Karl: Spargel ist billiger.

HB: Hm, mit welchen Kosten muß bei einer Ibogainbehandlung gerechnet werden?

Karl: Bei Dr. Deborah Mash in St. Kitts (Healing Visions; www.healingvisions.com) verlaufen sich die Kosten zwischen 6000 und 10000 Dollar. Aus logistischen Gründen können wir die Behandlung für 1500 Euro anbieten.
HB: Die Gretchenfrage: Wie steht es mit der Legalität?

Karl: In Europa ist Iboain zwar nicht illegal wie in den Staaten, wo es in den Sechziger Jahren fälschlicherweise in den Verdacht geriet, abhängig machen zu können, und wo deshalb allein schon der Besitz ein Verbrechen ist. Doch ist es auch nicht offiziell als eine Therapie-Möglichkeit homologisiert und behält daher noch immer einen unklaren Status.

HB: Wie sehen deine Zukunftsvorstellungen in punkto Ibogain aus?

Karl: Soweit mir bekannt ist, bestehen Bestrebungen in drei Ländern, die Forschungen mit Ibogain an drogenabhängigen Personen wiederaufzunehmen. Mit etwas Optimismus könnte man annehmen, daß Ibogain in einigen Jahren zumindest in Europa als Behandlungs-Alternative angeboten wird.

HB: Und einen hab ich noch: Gibt es ein empfehlenswertes Buch zum Thema?

Karl: Mir sind zwei bekannt: IBOGAINE, Proceedings of the first international conference, bei Kenneth R. Alpers und Stanley D. Glick. Das zweite ist: THE IBOGAINE STORY, bei Paul de Rienzo, Dana Beal & Members of the project.

HB: Herzlichen Dank

 

 

 

LexikonderZauberpflanzen

Kapitel aus dem Buch: Trips, Wie Halluzinogene wirken

Kapitel aus dem Buch: Traum und Wirklichkeit, Naranjo

London Times

Wall Street Journal 2002

Esotera

Hanfblatt

Herointimes

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